Die Pest in Arnsberg: „Licht aus!“ – Dr. Schnabel erzählt…

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Dicht gedrängt ist es in den Räumen des ehemaligen Feuerwehrmuseums Arnsberg unterhalb der Schlossruine. Die „Freunde der Altstadt“ haben eingeladen, um ihre neue Ausstellung zum Thema „Pest“ vorzustellen. Mehr als 40 Gäste sind gekommen, um sich dem spannenden Thema und vor allem seinem Bezug zu Arnsberg zuzuwenden. Und inmitten von Pestkarren, medizinischen Hilfsmitteln und vor allem vielen umfänglichen Infotafeln stehen die Besucher plötzlich im Dunkeln, und es wird still. Fast…

Eine Stimme erhebt sich aus dem Dunkel, und fast alle Gäste wissen, dass es die von Norbert Schauerte ist, dem Vorsitzenden der „Freunde der Altstadt“, die für diese neue und vor allem im Jahr 2016 erste Ausstellung im so genannten Schlossfenster verantwortlich zeichnen. „Das Thema verdient unbedingt eine Ausstellung“, sagt er kurz und gibt sofort an einen der Macher der Ausstellung weiter.

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Die neue Ausstellung im „Schlossfenster Arnsberg“ macht das Thema „Pest“ anschaulich…

Uwe Schmidtke hat zusammen mit vielen Helfern einiges zusammen getragen und kann eine stattliche Ausstellung präsentieren. Ja, das Internet habe ihm zu der Idee verholfen, als er nach jubilierenden Ereignissen für das Jahr 2016 gesucht habe. Dort habe er entdeckt, dass genau vor 350 Jahren – 1666 – die Pestepidemie in Europa, Deutschland und eben auch in Arnsberg gewütet habe. Ein Thema, dass sich zur Umsetzung einer Ausstellung in den ungewöhnlichen Ausstellungsräumen des Vereins durchaus eigne.

Schmidtke berichtet noch, dass er bei seiner Recherche viel Interessantes gefunden habe und dankt für eine großartige Unerstützung, die er dazu wieder in Arnsberg gefunden habe. „So etwas kann ein Verein alleine nicht auf die Beine stellten“, lobt er weiter und fordert zu einem Applaus auf. So spreche die Ausstellung jetzt für sich… Und während es den Besuchern so vorkommt, als spreche und lobe er noch, wird das Licht im Schlossfenster gänzlich gelöscht…

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Dr. Schnabel (alias Dr. Ortwin Ruland) – in voller Montur – führt in die Ausstellung ein.

Aus einer Ecke des Raums kommt eine dunkel vermummte Gestalt, mit Laterne in der Hand und einem schwarzen Schnabel im Gesicht. Ein Raunen in der Menge…, das ist doch nicht etwa… Dr. Schnabel persönlich??? Doch, ja, er stellt sich den Wartenden vor und fängt gleich an zu erzählen. Warum er eigentlich so verhüllt gekleidet sei (um sich die Pest-Bazillen vom Leibe zu halten) und, dass sein Stock ihm helfe, die leidigen Pestkranken der Stadt weit von sich zu halten. Und natürlich, die lange Nase, sein Schnabel, der sei mit wohlriechenden Kräutern gut gefüllt – alles Maßnahmen, die die schreckliche Erkrankungen von ihm halten sollen.

Wer „Dr. Schnabel“ nicht gleich an der Stimme erkannt hat, der hat in der Einladung zur Vernissage der Ausstellung vielleicht aufmerksam gelesen: Priv.-Doz. Dr. med. Ortwin Ruland, Chefarzt am Klinikum Arnsberg, hat sich ins ein von Hanne Clauss (Arnsberger Nähstube) maßgeschneidertes Kostüm geworfen und vor allem inhaltlich mit der medizinischen Materie auseinander gesetzt. Als Zeitzeuge angekündigt holt er tatsächlich aus und erzählt von der Geißel der Menschen, die das Leben im Mittelalter start beeinträchtigt hat.

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Medizinische Instrumente aus alter Zeit…

Dr. Schnabel berichtete vom Leiden der Menschen, die ihre Toten mit Pestkarren – so wie er auch in der Ausstellung zu finden ist – wegschaffen ließen. Und er erzählt vom Erlass des Kurfürsten Ernst, der seine Untertanen von der Verpflichtung an der Beerdigung der Toten teilzuhaben freigestellt habe. Alles, nur um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Und dann wird es ganz in lokal: In Wennigloh, so erzählt Dr. Schnabel weiter, hätten zu den schlimmsten Zeiten der Seuche nur sieben Ehepaare überlebt. Die schlechte Luft sei als Verursacher der Erkrankung diagnostiziert worden, wogegen er sich ja mit wohlriechenden Kräutern in seiner verlängerten Nase schützen wolle…

Und dann wird es medizinisch: „350 Jahre lang haben die Menschen mit der Ungewissheit leben müssen“, so Dr. Schnabel – alias Dr. Ortwin Ruland. Erst 1894 und noch weitere Jahr später sie die Menschheit den wirklichen Auslösern der Krankheit näher gekommen. Habe man 1540 schon die Ratte als Überträger der Pest erkannt, seien die Parasiten der Tiere erst Jahre später zu Recht für die Verbreitung der Seuche des Mittelalters verantwortlich gemacht worden.

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Die Pestglocke in der Ausstellung ist von Schmied Uwe Cramer eigens nachgebildet worden.

„Und die Krankheit ist noch nicht vollständig ausgerottet…“, lässt es der Mediziner im Halbdunkel des Schlossfensters wieder so richtig schaurig werden. Noch im Jahr 2014 sei eine Stadt in China wegen des Ausbruchs der Pest komplett unter Quarantäne gestellt worden. Von einigen Tieren, so der Fachmann, müsse man noch heute eine Übertragungsgefahr annehmen. Und er zählt Katzen und Nagetiere auf – und Eichhörnchen, die seien da ganz vorne mit dabei…

„Ich hoffe, dass Ihr Euch schützt!“

„So, ich hoffe, dass Ihr Euch schützt…“, ruft er im Umdrehen noch seinem gebannt lauschenden Publikum am Schlossberg zu – bevor er mit großem Applaus für seinen Auftritt wieder im Dunkel verschwindet. Nicht, ohne doch noch für einen versöhnlichen Abschluss des schauerlichen Auftritts zu sorgen. Ja, etwas Gutes aus Konstantinopel habe er mitgebracht – es sei ja nicht alles schlecht aus dem Osten – und reicht ein leckeres Gebäck (aus Konstantinopel) in die Runde.

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Für Kinder und Jugendliche: Auf einem alten iMac wir ein Zeichentrickfilm zum Thema gezeigt.

Die Ausstellung im Schlossfenster überzeugt mit Liebe zum Detail: Medizinische Instrumente wurden von Bildhauer und Sammler Uwe Pülz zur Verfügung gestellt, der Pestkarren vom „Verein zur Erhaltung historischer Landmaschinen und Geräte Affeln zur Verfügung gestellt. Bei der Erstellung der Infotafeln wirkte ein großes Netzwerk mit. Texte aus den Wedinghauser Klosterchroniken berichten vom Wirken der Pest in Arnsberg, die Pestglocke ist nach einer Vorgabe von Schmied Uwe Cramer nachgebildet worden. Für Kinder und Jugendliche gibt es einen Zugang zum Thema über einen kurzen Zeichentrickfilm („Es war einmal der Mensch…“), der auf einem iMac zu sehen ist.

Die Ausstellung: „Die Pest“ – im „Schlossfenster Arnsberg“ – Figuren, medizinische Gerätschaften, ausführliche Infotafeln (Aufgang zur Arnsberger Schlossruine, ehemaliges Feuerwehrmuseum), Eintritt frei, geöffnet am Wochenende, samstags und sonntags von jeweils 14 bis 18 Uhr

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