Einmal um die Welt und zurück ins Sauerland

Am Wind
Update: Erneuter Bildvortrag inklusive Buchvorstellung am Mittwoch, 6. April 2016 - Kartenverkauf in allen Stadtbüros!

Umsegelten die Welt: Hans-Werner Wienand und Kornelia Wulf im Interview

Als ich Hans-Werner und Kornelia innerhalb eines Treffens des Fördervereins Wendepunkt Arnsberg e.V. kennen lernte, wusste ich noch nicht, wer mir da begegnete. Wie sollte ich auch ahnen, dass ich plötzlich neben einem Paar sitze, das in knapp 40 Monaten einmal um die Welt segelte? Ok – mir hatte bereits ein Vögelchen gezwitschert, dass die beiden „Weltenbummler“ seien. Aber wer geht denn schon davon aus, dass dies wortwörtlich gemeint ist …

Eigentlich ging es bei unserem Treffen darum, Ideen für das derzeitige Thema No. 1 „Flüchtlingshilfe“ zu sammeln, mögliche Steine ins Rollen zu bringen und gezielt so genannte Alltagslotsen zu vermitteln. Das ist uns auch gelungen. Aber dennoch wollte mir eines nicht aus dem Kopf gehen: Die Weltreise dieser beiden! Wie umsegelt man auf einer 12 qm großen Yacht die Welt? Welche Kulturen und Menschen begegneten Hans-Werner und Kornelia auf ihrer Reise? Und wieso -verdorri nochmal- habe ich das nicht mitbekommen – wo doch auch in der Presse über diese Reise berichtet wurde. Ob die Lokalzeit Südwestfalen oder auch die örtliche Lokalpresse – überall wurden die beiden vorgestellt.

Egal – jetzt hatte ich sie kennen gelernt und würde mir die Chance nicht mehr nehmen lassen, mehr über Hans-Werner und Kornelia sowie ihre wohl abenteuerlichste Reise des Lebens zu erfahren.

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Liebevoll festgehalten in zwei Büchern

35601 Seemeilen legte das Paar zurück, überquerte drei Weltmeere, passierte 270 Schleusen und lernte 30 Länder sowie 115 Inseln auf fünf Kontinenten kennen. Zudem erfuhren sie viel über fremde Menschen und Kulturen, schlossen Freundschaften und brachten etwa 30000 Fotos mit nach Hause. Grund genug, das alles zu verewigen – und genau das hat Hans-Werner Wienand auch gemacht!

Entstanden sind zwei Bücher, die mit zahlreichen Infos, aber auch vielen Fotos, Witz und Charme gefüllt sind: „VERLIERER“ und „AMYGDALA: Protokoll einer Weltumsegelung“.

Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, auf die Schnelle mal einen Blick ins erste Buch „VERLIERER“ zu werfen – schnell und einfach eine Edition per Kindle herunter geladen und schon konnte ich ein paar kuriose wie auch witzige Kurzgeschichten lesen. Wer selbst gerne rein schnuppern möchte, klickt einfach aufs folgende Bild [Achtung: du verlässt dann meinen Blog und landest im Shop – vielleicht möchtest du erst noch mein Interview mit Hans-Werner und Kornelia lesen ;)].

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Hm, ob Eric tatsächlich mit einer Machete versuchte, ihr Schlauchboot „zu killen“ oder ob diese Kurzgeschichte der Phantasie auf See entsprungen ist, wollte mir Hans-Werner nicht verraten. „Wer weiß das schon so genau …!?“ Ich würde ja jetzt spontan sagen, dass es diesen Vorfall wirklich gegeben hat, dass man sich so etwas nicht ausdenken kann – aber ich weiß auch, dass Hans-Werner als Publizist und Autor eine große Phantasie hat. Und die beiden haben auf ihrer Reise sicherlich auch die ein oder andere Inspiration erhalten. Nun gut, ich lasse es einfach mal offen. Was ich aber nicht offen lasse sind meine Fragen, die ich dem Paar gestellt habe.

10 Fragen an unsere Weltsegler aus dem Sauerland

In knapp 40 Monaten mit einer Yacht um die Welt. Wie seid ihr auf diese einzigartige Idee gekommen?

„Ich glaube, diese Idee ist gar nicht so einzigartig. Das ist ein Wunsch, der bei uns allen in den Köpfen längst fest verwurzelt ist. Weite Horizonte, einsame Inseln, weißer Sand, tiefblaues Wasser, fremde Menschen kennenlernen und andere Kulturen erleben – die Sehnsucht danach spürt jeder in sich. Der einzige Unterschied ist, wir haben die Leinen tatsächlich gekappt und sind losgefahren, haben alle Bedenken ignoriert und haben versucht, unseren Traum zu leben.“

Wie habt ihr eure Weltreise im Voraus geplant?

„Wir haben gar nicht besonders viel geplant. Wir haben unser Boot so ausgerüstet, dass es zu einer kleinen autonomen Zelle wurde, auf der wir auch über längere Zeit ohne Unterstützung von außen leben konnten. Das war alles. Dann sind wir einfach aufgebrochen, mit großer Neugier auf das, was vor uns lag.“

Ihr seid wahrhaftige Abenteurer. Hattet ihr dennoch ein wenig „Bauchschmerzen“?

„Wir hatten so unendlich viele schöne Erlebnisse, da blieb kein Platz und keine Notwendigkeit für Bauchschmerzen. Die wollten auch gar nicht. Wir wollten diese Welt erleben.“

30 Länder und 115 Inseln auf fünf Kontinenten habt ihr kennen gelernt. Wo hat es euch besonders gut gefallen?

„Die Antwort ist: Unterwegs! – Unser kleiner, gemeinsamer Planet ist überall so schön und aufregend, dass wir einzelne Orte gar nicht besonders hervorheben möchten. Das wäre unfair allen anderen interessanten Plätzen gegenüber.“

Gibt es einen Ort, von dem euch der Abschied besonders schwer gefallen ist?

„Ein Ort vielleicht nicht, aber von den Menschen, die wir dort kennengelernt haben. Wir haben viele neue Freunde gefunden, überall, auf einsamen Inseln, an den Ankerplätzen, in großen Hafenstädten und manchmal tat es sehr weh, wieder in See zu stechen und sie verlassen zu müssen.“

Fremde Länder, fremde Sprachen. Wie habt ihr euch auf eurer Reise verständigen können? Gab es sprachliche Barrieren?

„Nein. Wir hatten ein paar Grundkenntnisse in Schulenglisch und Spanisch. Aber letztendlich ist es nur wichtig, ob sich Menschen verständigen wollen. Wenn die Bereitschaft zur Kommunikation da ist, klappt die Verständigung auch ohne gemeinsame Sprache. Wenn dieser Wille fehlt, würden auch die perfektesten Sprachkenntnisse nichts nutzen.“

317 Tage auf See und 871 Tage vor Anker. Da ist Luxus ein Fremdwort! Was hat euch auf dieser Reise am meisten gefehlt?

„Luxus war für uns kein Fremdwort. Wir hatten den größten Pool der Welt um uns herum! Wir lebten an paradiesischen Orten, die andere nur von Postkarten her kennen! Wir hatten kein Recht, zu jammern. Vielleicht hat uns gefehlt, unsere Erlebnisse zeitnäher mit unseren Freunden am anderen Ende der Welt teilen zu können.“

Ist euer Reisefieber gestillt? Oder ist euch bereits ein neues Projekt ins Auge gesprungen?

„Wir könnte man Reisefieber stillen? Doch nur durch Reisen, oder? Wir wollen übrigens auch gar nicht davon geheilt werden.“

Hans-Werner, du hast zwei Bücher geschrieben. „VERLIERER“ beinhaltet 22 wahre Unwahrheiten und ist bereits im Buchhandel zu finden. Wie heißt dein zweites Buch, wann erscheint es und was erwartet die Leser darin?

„VERLIERER ist eine Kurzgeschichtensammlung, die unterwegs auf unserer Reise entstanden ist. So etwas gab es bisher im Segelsortiment noch nicht, ist aber auch interessant für Leseratten, die mit Segeln ansonsten nichts am Hut haben. Das zweite Buch trägt den Titel „AMYGDALA – Protokoll einer Weltumsegelung“ und ist eine Art ausführliches Tagebuch dieser Reise, mit unseren tasächlichen Erlebnissen, mit wichtigen Informationen und auch mit Geschichten über Land und Leute und Behörden. Übrigens auch ergänzt mit über 100 Fotos. Es wird im März erscheinen.

Aktuell seid ihr ehrenamtlich in der Hilfe für geflohene Menschen aktiv. Nicht nur, dass ihr selbst als „Alltagslotsen“ agiert, auch ist der geplante Bildervortrag am Donnerstag, 10. März, als Benefizveranstaltung zugunsten der Flüchtlingshilfe des Fördervereins Wendepunkt e.V. in Arnsberg geplant. Was bewegte euch dazu?

„Wer mit einem Böötchen von nicht einmal 12 Metern Länge einmal um die Welt gesegelt ist, der weiß wie klein unser Planet in Wirklichkeit ist. Und für das, was irgendwo auf der Welt geschieht, sind alle gleich mitverantwortlich. Es ist eine Selbstverständlichkeit, sich in dieser Großfamilie gegenseitig zu helfen.“

Vielen Dank für eure Zeit! Ich werde mir ganz sicher eine Karte kaufen und interessiert eurem Bildervortrag  in der Kulturschmiede Arnsberg folgen.

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