Freilichtbühne Herdringen… und nichts sagen ist eine Kunst! Das Interview.

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Die Halbzeit für das Familienstück an der Freilichtbühne Herdringen ist längst vorbei – nur noch fünf Vorstellungen der „Kleinen Hexe“ (Foto oben: das gesamte Ensemble der Bühne 2016) sind auf der Bühne zu sehen. Wer jetzt noch einen Termin für den Besuch vor sich her schiebt, sollte sich beeilen: Viel zu schnell ist wieder Sonntag, 4. September, und die letzte reguläre Vorstellung der Saison auf der Bühne zu sehen. Vor dem Endspurt auf der Bühne sprach KulturProvinzKultur mit einem der Hauptdarsteller, der bei jeder Vorstellung der „Kleinen Hexe“ rein gar nichts zu sagen hat…

Detlev Brandt, seit rund 30 Jahren auf und an der Bühne in Herdringen aktiv und aktuell Spielleiter der Familienstücke an der Freilichtbühne steht seit der Premiere vom 4. Juni äußerst wortkarg auf der Bühne. Eine Hauptrolle als „Schatten“ der kleinen Hexe ohne Worte – geht das überhaupt?

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Detlev Brandt, „Schatten“ der kleine Hexe im Familienstück der Spielzeit 2016 spricht über die Herausforderungen seiner Rolle in der „Kleinen Hexe“. Fotos: Albrecht/Archiv

KulturProvinzKultur: Lieber Detlev, ist es eigentlich das erste Mal, dass Du ohne Worte auf der Bühne stehst?

Brandt: Vor vielen Jahren habe ich wie die meisten von der Freilichtbühne mit einer Statistenrolle angefangen, da wurde natürlich auch nicht gesprochen! Aber in dieser Saison ist es meine erste große Rolle vor Publikum, die buchstäblich ohne Sprechen über die Bühne geht…

KulturProvinzKultur: Und… wie ist es eigentlich in der Vorbereitung der Saison zu dieser besonderen Hauptrolle gekommen?

Brandt: Tja (lacht), meine Rolle in der „Kleinen Hexe“ hat es eigentlich gar nicht gegeben. Sie ist von unserer Regisseurin Patricia Hoffmann extra ´reingeschrieben worden. Wir haben im Vorfeld über die Anforderungen und Möglichkeiten dieser Rolle gesprochen. Dann ist sie für das Familienstück in dieser Saison extra auf meinen Leib geschrieben worden. Und eines ist ja auch klar: Ein Schatten spricht ja nicht!

KulturProvinzKultur: Als „Schatten“ der kleinen Hexe ist die Präsenz während des Stückes auf der Bühne recht hoch. Wie fühlt sich das für Dich an?

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Die kleine Hexe (Carla Padberg) in Begleitung des Raaben (Dirk Hammel) und ihres Schattens (Detlev Brandt) – wieder auf dem Weg, Gutes zu tun…

Brandt: Mmhhh, ich spiele den Schatten ohne Worte. Alles, was ich sonst mit Worten ausgedrückt hätte, muss ich mit dieser Rolle ausschließlich über Mimik und Gestik zum Ausdruck bringen. Die Improvisation hat zudem eine große Bedeutung – ich möchte ja, dass die Zuschauer verstehen, was ich ohne Worte zu sagen habe.

KulturProvinzKultur: Wenn Du nach den nächsten fünf Vorstellungen, die es in dieser Spielzeit noch gibt, auf Deine Rolle zurückschaust bleibt was genau hängen?

Brandt: Dass ich vor der Rolle als „Schatten“ zunächst einen großen Respekt hatte. Nach der anfänglichen Freude darüber, dass ich keinen Text für die Aufführungen zu lernen hatte, sind mir aber auch die Schwierigkeiten der Rolle immer bewusster geworden. Ohne eigenen Text zu spielen ist eine besondere Herausforderung. Und die Texte der anderen Mitspieler sind mir ja komplett bekannt. Ich muss gut aufpassen, keinen Einsatz und keine Reaktion auf das von der kleinen Hexe und dem Raben Gesagte zu verpassen. Ich bind auf der Bühne immer zu 100 Prozent präsent. Schließlich muss ich die Erwartungen der Zuschauer – vor allem der Kinder – erfüllen: Sie warten auf einen Witz von mir!

„Sie warten auf einen Witz von mir!“

KulturProvinzKultur: Noch einmal zurück zur Vorbereitung: War das in dieser Saison besonders schwer für Dich?

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Gestik, Mimik: Ob Freude, Trauer oder Triumpf – der „Schatten“ muss alles auf der Bühne bieten.

Brandt: Auf jeden Fall, aber wir haben ja eine tolle Regisseurin, die ihr Handwerk – mit Menschen auf der Bühne zu arbeiten – wirklich versteht. Für die einzelnen Szenen hat sie mir Beispiele mitgegeben, die sie mir auch richtig vorgespielt hat. Das war eine wichtige Grundlage für meine eigenen Gedanken und Ideen dazu, die sich dann im Laufe der Aufführungen einfach weiter entwickelt haben. Außerdem habe ich mir auch angeschaut, wie andere die Herausforderung angenommen haben… Otto Waalkes oder Mr. Bean zum Beispiel. Ganz besonders beeindruckt hat mich auch der Auftritt einer spanischen Schauspielertruppe im Kunstsommer 2015. Da konnte man sich anschauen, was es heißt, ohne Worte etwas zu sagen.

KulturProvinzKultur: Blicken wir auf den Saison-Endspurt, es sind nur noch wenige (5) Aufführungen mit der „Kleinen Hexe“. Was war und ist Dir weiter wichtig?

Brandt: Ziel ist und war es für mich immer, den Auftritt des Schattens auf der Bühne so natürlich wie möglich und nicht aufgesetzt wirken zu lassen. Ich achte stets auch darauf, immer nur an den richtigen Stellen in der „Kleinen Hexe“ witzig zu sein und anderen nicht die Show zu stehlen. Die Rolle ist einfach mit jeder Vorstellung gewachsen und wächst noch bis zur letzten Vorstellung weiter, da bin ich mir sicher.

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Raabe, kleine Hexe und Schatten – ein enges Team beim Familienstück die „Kleine Hexe“ auf der Freilichtbühne Herdringen!

KulturProvinzKultur: Jetzt stehst Du ja nie allein auf der Bühne (kann ein Schatten ja auch nicht). Wie ist das Zusammenspiel im Team mit Hexe und Raabe, die im wirklichen Leben Tochter und Vater sind?

Brandt: Es ist allein meiner Rolle nach schon ein ganz enges Zusammenspiel mit der Hexe (Carla Padberg) und dem Raben (Dirk Hammel). Durch die enge Vorbereitung in den Proben hat sich das freundschaftliche Verhältnis noch verstärkt. Jeder lässt sich auf den anderen ein und muss sich natürlich im Sinne der Freilichtbühne auch auf den anderen verlassen. Wir sind im Stück ja immer Drei, die einfach zusammengehören. Ich habe das Gefühl, in der Familie von Hexe und Raabe aufgenommen worden zu sein. Das macht überhaupt die große Familie Freilichtbühne aus…

KulturProvinzKultur: Bis hierhin vielen Dank, aber noch eine letzte Frage – wird so eine Rolle ohne Sprechen jetzt Dein Favorit?

Brandt: Mal nichts zu sagen, ist schon was Besonderes, aber ich könnte mir nicht dauerhaft eine Rolle vorstellen, die nur auf Pantomime setzt!

KulturProvinzKultur: Detlev Brandt, Schatten der kleinen Hexe, vielen Dank für Deine Zeit und viel Erfolg mit den letzten Aufführungen!

Gut zu wissen: Endspurt an der Freilichtbühne – weitere Aufführungen der „Kleinen Hexe“ an folgenden Terminen: Dienstag, 16. August (16 Uhr); Samstag, 20. August (15 Uhr); Dienstag, 30. August (18 Uhr); Freitag, 2. September (20 Uhr) und Sonntag, 4. September (16 Uhr). Endspurt bei der „Heißen Ecke“: Vorstellungen sind noch Freitag, 19. August (20 Uhr); Samstag, 20. August (20 Uhr); Sonntag, 21. August (18 Uhr); Mittwoch, 24. August (16 Uhr); Freitag, 26. August (20 Uhr) und Samstag, 27. August (20 Uhr).

Kartenanfragen/Vorbestellungen unter Telefon 02932/39140 (mo. bis fr. 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr; sa. und so. 10 bis 12 Uhr oder im Netz: www.flbh.de

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