Poesiepfad im Winter: Nach dem Rausch kommt der Tod / Eröffnung am Freitag, 15. Dezember

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Der Poesiepfad im Rumbecker Mühlbachtal legt seine nächsten Texte auf: Am Freitag, 15. Dezember, beginnt der Winter-Poesiepfad zum Thema „Ungewöhnliche Todesanzeigen“. Die Textkästen werden nach dem Herbst-Thema „Rausch“ nun neu bestückt. Eröffnung des letzten Quartals auf dem Poesiepfad in Rumbeck ist um 15 Uhr. Gäste sind dazu herzlich willkommen. Die „Kooperation Waldkultur“ (Arnsberger Heimatbund sowie Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald) lädt ein zur Erstbegehung mit Anmerkungen ein…

„Man lindert oft sein Leid, indem man erzählt“, hat der französische Rechtsgelehrte und Literat Pierre Corneille einmal gesagt.

Für das am 15.12. beginnende neue Poesiepfad-Quartal im Rumbecker Mühlbachtal hat das Poesiepfad-Team diesmal „Ungewöhnliche Todesanzeigen“ ausgewählt. Lange Zeit ist der Tod aus dem gesellschaftlichen Leben verdrängt worden ist; erst allmählich rückt das Thema rund um menschlichen Verlust, Trauer, Vergänglichkeit und Erinnerung wieder ins öffentliche Bewusstsein.

Vom Tod eines wichtigen und wertvollen Menschen Betroffene schreiben oft aus sich heraus, was sie fühlen: den Schmerz, die Trauer, das, was sie in Erinnerung behalten möchten, ihre Ängste, ihre Hoffnungen. Sie machen ihre Gefühle in Todesanzeigen öffentlich, teilen sich anderen Menschen mit. So entsteht oft eine ganz eigene Poesie, Gedichte und Betrachtungen, die so gar nicht den oftmals vorgegebenen Allerweltsweltstexten entsprechen, „Nachrufe“ in des Wortes bester Bedeutung.

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Ingrid Brüggenwirth, viele Jahre Lehrerin in Arnsberg, hat über 40 Jahre lang Todesanzeigen aus Tageszeitungen gesammelt und in den Büchern „Von Sensenmann und Druckerschwärze“ und „Dieser Brief geht in den Himmel“ veröffentlicht. Wolfgang Wirth und Theo Hirnstein ist bei der Auswahl aus dieser Sammlung aufgefallen, dass neben den ernsten Betrachtungen auch einige eher zum Schmunzeln anregen. Da wird auch mal auf Fehler und Schwächen der Verstorbenen hingewiesen und gesagt, was man zu Lebzeiten womöglich gar nicht gewagt hätte zu sagen. Und den modernen Anzeigen werden einige gegenüber gestellt, die weit über 100 Jahre alt sind. Man sieht und liest, wie damals Schmerz und Trauer beschrieben worden sind und wie sich die Sprache seither gewandelt hat.

Manche Anzeigen zeugen auch von einer spürbaren Überforderung der Hinterbliebenen, angesichts des Todes die passenden Worte zu finden. Mal ein wenig ungelenk, mal romantisch verbrämt, mal ausgesprochen pathetisch, mal außergewöhnlich tiefsinnig, manchmal auch schwer verständlich, mal unverblümt ehrlich, aber immer aus tiefster Seele. Ein sehr anrührendes Beispiel ist die Todesanzeige einer alten Dame aus Kiel, die sie in schönstem Plattdeutsch selbst verfasst hat, bevor ihre Urne im Meer versenkt wurde. „Ihr könnt ja mal an mich denken, wenn ihr die Füße ins Wasser haltet.“

Zum Auftakt auf dem Poesiepfad findet sich ein Gedicht des großen Literaten Kurt Tucholsky. Sein Gedicht „Mutterns Hände“, geschrieben kurz vor ihrem Tod im Berliner Dialekt steht als Symbol für alle weiteren Anzeigen.

(TEXT: Kooperation Waldkultur / FOTOS: Frank Albrecht)

Gut zu wissen:

„Poesiepfad“ Rumbeck im Mühlbachtal

Winter-Thema: Ungewöhnliche Todesanzeigen

Eröffnung: Freitag, 15. Dezember, 15 Uhr vor Ort (Treffpunkt: Waldparkplatz)

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