Taugenichts und Wintermärchen: Arnsberger „Poesiepfad“ startet eiskalt in den Frühling

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„Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine…“ Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ gibt ein paar Zeilen, andere Dichter geben ebenfalls… Der Arnsberger Poesiepfad im Rumbecker Mühlbachtal ist am Freitag bei wenig sonnigen Aussichten eröffnet worden. Mit einem Augenzwinkern hat das Poesiepfad-Team gerade auch den „Taugenichts“ ausgewählt – geht es doch beim Frühjahrs-Poesiepfad um „200 Jahre Preußen“, die Bezirksregierung in Arnsberg. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

2005 eröffnet und nun schon im elften Jahr viermal jährlich neu bestückt, hat sich der Poesiepfad im Arnsberger Wald einen festen Platz bei Kultur-, Literatur- und vor allem Naturfreunden ergattert. „So eine große Wertschätzung hätten wir uns für den Poesiepfad gar nicht vorgestellt“, sagt Gründervater Wolfram Blanke von Wald und Holz NRW. 41 Mal sind die Tafeln im Mühlbachtal nun schon in Handarbeit für Wanderer, Spaziergänger und Poesie-Freunde präpariert worden.

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Prominenz auf Poesie: Bürgermeister Hans-Josef Vogel und Regierungspräsidentin Diana Ewert (li.) mit ihren Behördenleitern bei der Eröffnung des Frühlings-Poesiepfades.

„Wertschätzung“, dieses Wort prägte auch die Begrüßung der mehr als 50 Teilnehmer, die dem nebeligen Auftakt im Mühlbachtal gefolgt waren. Regierungspräsidentin Diana Ewert, die mit einer ganzen Reihe ihrer Behördenleiter vom regelmäßigen Treffen direkt in den Wald gekommen war, lobte den großen Einsatz vieler auf dem Poesiepfad – und die Nähe der Textauswahl zum Jubiläum „200 Jahre Bezirksregierung Arnsberg“. „Als Dankeschön haben wir ein eigenes Poesiealbum für den Poesiepfad erstellt“, sagte die Regierungspräsidentin und lies das ansehnliche Heft mit großen Bildern und einigen Texten verteilen.

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Die einzelnen Stationen im Mühlbachtal verbinden Text und Natur auf gelungene Art und Weise…

Der ehemalige Regierungsvizepräsident Heiko M. Kosow hat aus dem Team des Poesiepfads die Idee für diesen Frühling beigesteuert. So macht Franz Ignatz Pieler den Start in die insgesamt 20 Stationen des Arnsberger Poesiepfades, die unter dem Motto „200 Jahre Preußen“ stehen. Rund zwei Kilometer sollten bewältigt werden, will man auch noch die anderen Tafeln zwischen Bäumen und Sträuchern sehen. Heinrich Heine (Deutschland – Ein Wintermärchen), Theodor Fontane, Ludwig Thoma und viele andere sind dann auch noch zu finden.

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Lehrer Michael Dericks (FSG) und Mitglied im Poesiepfad-Team stellte zusammen mit Wolfram Blanke die einzelnen Stationen vor.

„Preußen“ sei schwer auf einen Begriff zu bringen, hieß von Lehrer Michael Dericks aus dem Team des Poesiepfades. Dass man es dann doch geschafft habe, sei dem Bezug zu den Menschen aus der damaligen Zeit in Texten zu verdanken. Menschen, ihr Alltag, ihre Landschaft – das alles seien die Bezugspunke gewesen, mit denen man sich dem weiten Feld „Preußen“ habe passend nähern können. „Wir konnten natürlich nicht gleich 20 Gedichte und Texte finden, die den direkten Bezug von Arnsberg und Preußen herstellen konnten“, so Michael Dericks, der zusammen Wolfram Blanke die Frühlings-Textauswahl vorstellte.

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Das Team vom Poesiepfad im Rumbecker Mühlbachtal hat ganze Arbeit geleistet!

Leichter als die Auswahl der Texte zum Thema sei in der Vorbereitung aber die Wahl eines passenden Motivs gewesen. Die Pickel-Haube, nicht nur in der Gebärdensprache ein akzeptiertes Zeichen für die Deutschen, ist nun auf den Texten an allen 20 Stationen auf dem Poesiepfad zu finden. Und es gibt noch einen ganz direkten Bezug zu Arnsberg: „Die Pickelhaube war ein Bestandteil in der Kriegsproduktion der Fa. Gebrüder Kaiser in Neheim“, weiß Rainer Alborn vom Poesiepfad-Team.

Genug der Schwärmerei, jetzt heißt es „Raus auf den Poesiepfad!“. In den nächsten Tagen wird auch das Wetter frühlingshafter, so dass einem persönlichen Rundgang mit allen positiven Nebenwirkungen nichts im Wege steht. Denn die Verbindung von Gedichten in freier Natur und mit freier Natur ist im Rumbecker Mühlbachtal einfach einmalig… Und wenn das Wetter mal wieder nicht mitspielt, gibt es auch eine Tour zum Poesiepfad im Internet: „www.poesiepfad.de

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