Wenn Deutsch vor Fußball kommt: Flüchtlingskinder lernen auch in den Ferien mit viel Spaß!

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Sommerferien – sechs Wochen, in denen die Schule geschlossen ist?! Das war einmal – zumindest am Arnsberger Gymnasium Laurentianum. Ein kleiner Kreis von Lehrkräften und Schülern sorgte jetzt dafür, dass es auch in den wohlverdienten Ferien weiterging: Weiter ging mit Lernen. Und während sich ein Großteil der Schülerschaft mit oder ohne Eltern an den Stränden der Republik herumlümmelte, herrschte richtig Betrieb im Offenen Ganztag der Schule. Drei Wochen lang hat es in diesen Sommerferien ein Lern- und Beschäftigungsprogramm für die jungen Flüchtlinge aus verschiedenen Teilen der Stadt gegeben.

„Ich bin von der großen Lernbereitschaft der Flüchtlingskinder und –jugendlichen echt begeistert“, zieht Marion Koßmann, eine der beteiligten Lehrkräfte ein erstes Resümee. Das Erlernen der Deutschen Sprache habe häufig über dem Wunsch gestanden, Fußball zu spielen. Ulrike Bohn, Schulsozialarbeiterin am Arnsberger Gymnasiums hat ihr Herz an die Arbeit mit Flüchtlingen verloren. Für die Betreuung in den Ferien hat sie ein eigenes Lernkonzept erarbeitet und mit der Schule sowie der Berufsbildungsakademie der Volkhochschule Arnsberg-Sundern (bba) abgesprochen.

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Nach der Aufwärmrunde mit Deutscher Sprache geht es auch gleich schon mit der Arbeit in Lern-Kleingruppen – hier mit Schulsozialarbeiterin Ulrike Bohn (re.) – weiter. Fotos: Albrecht

Und so ist der Morgen in der Sommerferien genau getaktet: Zum Start um 9.30 Uhr – wenn denn mal wieder alle pünktlich sind – beginnt schon die Aufwärmrunde. „Wir lassen uns hier ständig etwas Neues einfallen“, erklärt Bohn. Schließlich sei es ja auch nicht so leicht, alle gleichermaßen gut ans Sprechen zu bringen. Also – was macht man heute? Deutsche Dialoge im Spiel erlernen, das geht immer. ´Raus mit den Spielkarten, die Lebensmittel oder Gegenstände des täglichen Lebens zeigen, und ´rein in die Ratrunde. Jeder der Teilnehmer hat die Aufgabe, so etwas wie sein „Teekesselchen“ zu beschreiben. Und dann müssen die anderen raten, was es gewesen sein könnte. „Nun nehmt doch nicht immer nur die Farbe des Gegenstandes, den ihr erraten wissen wollt“, muntert die Teamleiterin alle auf. Und tatsächlich – es geht doch: Endlich mal eine weiter führende Beschreibung des zu erratenden Dings – und: Schon steht die Hälfte auf dem Schlauch. Es ist am Anfang doch nicht so leicht, unvorbereitet in eine Konversation zu gehen. Aber soviel steht fest: Dialoge lassen sich am besten Spiel üben!

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Uhhh, wie lautet die Lösung? Deutsche Sprache – schwere Sprache?

Dann ist die halbe Stunde schon ´rum und der „unangenehme“ Teil der vormittäglichen Betreuung im offenen Ganztag nimmt seinen Lauf… „Ab an die Arbeitsblätter!“, lautet der eindringliche Hinweis an die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auf einem Schreibtisch liegen sie alle ausgebreitet, jeder nimmt, was er glaubt zu verstehen und lösen zu können. Gearbeitet wird in Kleingruppen von drei bis fünf Personen, die jeweils von einer unterstützenden Kraft begleitet werden. Haare raufen, Motivieren, spaßig gemeinde Zweikämpfe unterbinden! So geht´s nun schließlich nicht – hier soll gearbeitet werden. Aber… wem sagt man das, manchmal! Schon nach kurzem zeigt sich die unterschiedliche Motivation und Arbeitsbereitschaft: Während ein Teil durch Nichts von der konzentrierten Arbeit über den Zetteln abzubringen scheint, nutzen andere jede Chance, sich selbst und andere abzulenken. „So muss Schule in Wirklichkeit sein“, denke ich leise, während schon die nächste Frage an mich herangetragen wird: der Auto, die Auto oder doch das Auto??? Nee, vorsagen ist ja auch blöd, denke ich, und überlege nach einer Lösung.

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Spielen und Lernen – oder: Spielend lernen? Ganz egal, im Offenen Ganztag der Schule geht beides…

Glück gehabt, heute komme ich um eine Antwort noch mal herum – die schöne Zeit des vormittäglichen Betreuungsprogramms hat begonnen: Es ist Spielzeit – Zeit, in verschiedenen Neigungsgruppen das zu tun, was jeder gerne mag. Das lassen sich die Jungen und Mädchen nicht zweimal sagen. Flugs wird in den Schränken gekramt – Puzzle, Rummy Cup, Doubble und was noch immer gefällt. Für einen Teil der Ferienmannschaft ist aber ganz klar: Fußball soll es jetzt aber schon sein. Nun gut, dafür bin ich hier, Bälle, Schuhe und die gelbe und rote Karte und dann ab in die Turnhalle. Der Andrang ist doch nicht so groß und man kommt am Gymnasium mit der kleinen Ausführung zum Austoben und Sportmachen aus.

Schon wieder ist eine Lösung gefragt: Fußball, wer will? Oder doch lieber Basketball? Wir einigen uns gütlich – erst das Eine, dann das Andere. 25 Minuten auf zwei Tore mit wenig Personal, ganz schön anstrengend! Leichter wird es in den verbleibenden Minuten mit dem Basketball auch nicht – nur leerer! Nach dem Fußballspiel bleibt nur noch ein harter Kern, der auch noch mal in Sachen Sport bespaßt werden möchte…

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Backe, backe – Fantakuchen: Die letzte gemeinsame Aktion nach dreiwöchigem Ferien-Lernprogramm gut wirklich gut an.

Sport ist für heute Geschichte und zurück geht es in den Offenen Ganztag. Was die anderen wohl so gemacht haben? Spielen, Malen, Basteln – die Möglichkeiten im Offenen Ganztag sind gut und laden zur Kreativität ein. Noch mal Deutsch, noch mal lernen, noch mal Sport und Spiel und ehe man richtig überlegen kann, ist auch schon die dritte Woche der Ferienbetreuung fast zu Ende. Der letzte Tag soll dann noch mal etwas Besonderes bringen… Wer mag Fantakuchen?! Kennt ihr nicht?! Ist lecker und auf jeden Fall süß… also: Fantakuchen!

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Und: Wie schwer ist eigentlich so ein Hühnerei, oder zwei?

Es ist Freitag und Ulrike Bohn hat alle Zutaten besorgt. Aber: Kein Backen, bevor nicht ein wenig Deutsch gelernt wurde. Also beginnt das muntere Spiel mit den Zutaten, die vor allen auf dem Tisch liegen. Im Sinne von „Ich packe meinen Koffer…“ geht es reihum. Zucker, Margarine, Streusel… Aber wie war das noch mal mit dem „Backpluver“. Ist doch gar nicht so ein schweres Wort, schaut sich das Dozententeam lachend an, und doch scheint es so manchem Schulkind in der Ferienbetreuung für Flüchtlinge nicht über die Lippen kommen zu wollen: B-a-c-k-p-u-l-v-e-r, schön langsam – geht doch!. Also noch Mal: Was braucht man alles für den Kuchen…? Ja, richtig! Da sind noch Schüssel, Küchenwaage und Schneebesen – was haben wir heute nicht alles gelernt. Zum Beispiel, wie schwer eigentlich so ein Hühnerei ist.

Dann wird alles gerührt (was für ein Spaß!) und hinein in den Backofen. Die Zeit läuft… Aufräumen Arbeitszettel noch einmal sichten und korrigieren und dann klingelt schon die Küchenuhr. Für die letzten Stücke Fantakuchen bleibt kaum noch Zeit – alle möchten dann auch schnell nach Hause. Das war sie also, die dreiwöchige Ferienbetreuung an der Schule, bei der ich eine Woche mitmachen durfte.

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Fußball, und nochmals Fußball: Ob am Kickertisch oder in der Halle – das macht allen mächtig Spaß!

„Es war schön mit den Schülern und hat viel Spaß gemacht“, lacht die Koordinatorin Ulrike Bohn. In jeder Woche haben zwei Fachkräfte und zwei Schülerhelfer vom Gymnasium Laurentianum mitgeholfen – alle haben acht Beteiligte ein tolles Team gebildet. Ja, und hängen geblieben ist nach der Betreuung in der Schule auch noch etwas: Viele der Flüchtlingskinder hatten sich begeistert für Kurse im Kunstsommer interessiert und daran teilgenommen. Ein voller Erfolg auf der ganzen Linie!

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Rummy Cup gehört auch beim regelmäßigen Angebot „Sonntak“ zu einem der beliebtesten Spiele in der Betreuung.

Und der soll natürlich auch nach den Ferien weiter gehen: Das von Ulrike Bohn und einem motivierten Helferteam betreute Projekt „Sonntak“ (Sonntag aller Kulturen) in der Schule hinter dem Hirschberger Tor setzt seit diesem Wochenende wieder da an, wo es vor den Ferien aufgehört hat: Etwas Deutsch (wer will), eine Menge Spaß und Spiel (für Groß und Klein) und die Gewissheit, Menschen in der Stadt doch noch so etwas wie eine Perspektive geben zu können…

Gut zu wissen: Das Projekt „Sonntak“ läuft auf der Basis ehrenamtlicher Tätigkeit und wird vom Gymnasium Laurentianum unterstützt. Treffen ist jeden Sonntag im Offenen Ganztag der Schule in der Zeit von 10.30 bis 12.45 Uhr. Weitere Helferinnen und Helfern sind stets gern gesehen.

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