„Wir sind da – in Ihrer Nachbarschaft!“ – Aktionswoche zur gesetzlichen Betreuung läuft

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Renate Z. (Name geändert) ist nach dem Tode ihres geliebten Mannes noch lange in den eigenen vier Wänden klar gekommen. „Hier kriegt mich keiner ´raus“, hatte sie sich immer wieder gesagt. Doch nach Monaten des Alleinseins wuchsen die Herausforderungen des täglichen Lebens: Die Fürsorge für das eigene Leben fiel ihr stets schwerer. Nötige Behördengänge und das Kümmern um regelmäßige Amtsschreiben oder Rechnungen wurden zusehends zu einer ernsten Belastung. Renate Z. sah sich den Anforderungen allein nicht mehr gewachsen, und das erkannte auch ihre langjährige jüngere Nachbarin. Am Amtsgericht stellt sie einen Antrag auf gesetzliche Betreuung, der Rente Z. nicht entmündigen, ihr aber Hilfe bei der Bewältigung der vielen Aufgaben verschafften sollte… Ein Aktionstag des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in der Neheimer City will nun am morgigen Mittwoch, 21. September, von 9 bis 12 Uhr allgemein über Hilfen sowie Helfer (Foto, oben: Beratungsteam Neheim Karen Temmen, Fabian von Bischopink, Katrin Osthoff, Gertrud Martin und Britta Jäger, v.li.) informieren und zugleich für eine bessere finanzielle Ausstattung der bundesweit über 300 Betreuungsvereine durch die Politik werben.

Renate Z., ein Fall von vielen, der Fabian von Bischopink, Fachbereichsleiter Gesetzliche Betreuung beim Sozialdienst katholische Frauen (SkF) Hochsauerland, immer wieder begegnet, und er holt etwas aus: „Bis 1992 wurde noch von Vormundschaft gesprochen“, so Bischopink, „dieser Begriff wird heute nur noch bei Menschen unter 18 Jahren verwendet.“ Im Jahr 1992 hat der Gesetzgeber ein neues Betreuungsrecht unter dem Namen „Gesetzliche Betreuung“ geschaffen, welches für hilfsbedürftige Menschen ab Volljährigkeit  zum Tragen kommt. Doch – es bedarf bestimmter Voraussetzungen: „Eine psychische Erkrankung, eine Behinderung oder eben auch körperliche Beschwerden des Alters müssen gegeben sein“, erklärt der Fachbereichsleiter. Wer – ganz allgemein gesagt – seine Dinge im Leben nicht mehr alleine geregelt bekommt, dem will die gesetzliche Betreuung Hilfe anbieten.

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Das Themenfeld der „Gesetzlichen Betreuung“ soll im Rahmen einer Aktionswoche mit dem morgigen Infostand in Neheim den Menschen näher gebracht werden. Fotos (3): Albrecht

Der Weg bis zur gesetzlichen Betreuung ist klar geregelt. Jeder, so Bischopink, könne für einen anderen Menschen eine Betreuung anregen. Aufgrund eines Attestes vom Hausarzt oder eines von Amts wegen in Auftrag gegebenen Gutachtens wird der Hilfebedarf – sofern anerkannt – auch bescheinigt. Doch halt: Längst wird nicht jedem Antrag auf gesetzliche Betreuung zugestimmt! Die freie Willensbekundung der erkrankten Menschen ist wichtig, schließlich soll es ein Vertrauensverhältnis zwischen Betreuern und Betreuten geben. „Wir wollen bei den Menschen die Angst vor einer Betreuung durch Fremde nehmen“, beschreibt Fabian von Bischopink eines der Ziele des Aktionstages am 21. September in Neheim.

Eine rechtzeitige Überlegung, d.h. in einer Lebenssituation, in der noch alles bei „klarem Verstand“ und in Ruhe besprochen werden kann, sei wichtig, erklärt der Fachmann für gesetzliche Betreuung. Denn: Liegt im „Ernstfall“ keine Vorsorgevollmacht vor, die den Weg der Entscheidungen regelt, gebe es selbst für die engsten Angehörigen keine Handhabe. Damit es soweit überhaupt nicht kommt, bietet das Betreuungsbüro des SkF auf der Apothekerstraße 12 in Arnsberg-Neheim schon vorher Beratung an und informiert über Betreuungs- oder Patientenverfügung sowie die Vorsorgevollmacht.

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Informationsmaterial rund um Aufgaben und Angebote zur Gesetzlichen Betreuung gibt´s am Infostand in der Neheimer City.

Ohne die derzeit 60 ehrenamtlichen gesetzlichen Betreuer, die für ihre Arbeit beim Betreuungsbüro Neheim eine Aufwandsentschädigung von 399 Euro im Jahr erhalten, geht es aber schon lange nicht mehr. Nach einer Qualifizierung an zwei Abenden betreut jeder/jede zwei bis drei Personen, bei den sechs Hauptamtlichen des Betreuungsbüros (Fabian von Bischopink, Volker Bartsch, Britta Jäger, Gertrud Martin, Katrin Osthoff und Karen Temmen) sind es jeweils rund 45 Personen. „Wir brauchen die Unterstützung durch das Ehrenamt“, sagt von Bischopink. Viele der Ehrenamtlichen stehen schon außerhalb des Arbeitslebens und wollen ihren Beitrag für eine gelingende Gesellschaft beitragen. „Nur wegen der gezahlten Aufwandsentschädigung wird hier keiner aktiv“, weiß der Fachbereichsleiter. Der Spaß an der Arbeit im Ehrenamt komme von der Dankbarkeit der Unterstützten und dem aufgebauten Vertrauen. Helfen wollen, Gutes zu tun – das motiviere die Betreuer. Zudem will auch das umfangreiche Jahresprogramm mit Vorträgen, Betreuungsstammtisch und mehr den Spaß an der Arbeit als Betreuer erhalten.

So will der Aktionstag des SkF-Betratungsbüros Neheim zweierlei: Politik und Öffentlichkeit für mehr finanzielle Unterstützung der gesetzlichen Betreuung sensibilisieren und zugleich die Herausforderungen der abwechslungsreichen Arbeit als ehrenamtliche Betreuer vorstellen. Denn, so von Bischopink: „Es gibt keinen klassischen Betreuungsfall und jede Unterstützung entwickelt ihre eigenen Herausforderungen!“

Informationen über die Arbeit als Betreuer gibt´s auch außerhalb des Aktionstages im heimischen Betreuungsbüro des SkF Hochsauerland, Apothekerstraße 12 in 59755 Arnsberg, Telefon 02932/6398811 oder per Mail f.bischopink@skf-hochsauerland.de

Gut zu wissen: Aktionswoche „Gesetzliche Betreuung“ vom 19. bis 24. September. Aktionstag des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Hochsauerland vom Beratungsbüro Neheim am Mittwoch, 21. September, in der Neheimer City (9 bis 12 Uhr).

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